3. Rundbrief 2010: Meditation
Sehr geehrter Herr Max Mustermann,
3. Rundbrief 2010: Meditation
Hans
Zimmermann, Görlitz
: aktuelle Rundbriefe
3.
Rundbrief 2010: Meditation
Liebe Freunde,
am Sonntagmorgen kam im
Deutschlandfunk ein Interwiew,
dem ich aufmerksam zuzuhören versuchte, obwohl der Interviewte so
wirr und selbstwidersprüchlich "argumentierte", daß man ihm
kaum folgen konnte, ohne permanent in logische Sackgassen und Paradoxien
zu geraten. Der Mann, der da die Chance bekam, sich
und sein frisch veröffentlichtes Buch vorzustellen, war Thomas
Metzinger; er gab sich als Psychologe und Philosoph, und ich sehe:
er ist wohl kaum ein Psychologe (zumal er nur die Forschungsergebnisse
anderer übernimmt), aber ein Philosoph ist er absolut nicht:
Dazu würde gehören, daß, gleich von welcher Stelle in diesem
Universum er einsteigen will, er seinen Weg mit strengster logischer Konsequenz
gehen müßte; aber eben das tut er nicht.
Er behauptet, daß
er, er selbst in Person mit Selbstreferenz, nicht wirklich existiere und
daß sein Bewußtsein nur eine erscheinungshafte Reflexion seines
Gehirns sei, und dieses Gehirn sei seine eigentliche Wahrheit. Nicht so,
daß etwa sein Gehirn dann als "Ich" sich selbst referierte, sondern
eher so, daß es, das Gehirn nämlich, ein seinem "Ich" fremder
Untergrund, eine nicht verfügbare Ursache seines "Ich"-Kinos sei.
Wie er in die "Wahrheit" dieser ihm fremden Ursache eindringen will, läßt
er unausgemacht, es sei denn, die Hirnforschungsbeobachtungen der Hirnforscher,
die natürlich in unserer Erscheinungswelt in der Sprache der Erscheinungswelt
mit der Befangenheit des naiven Realismus ebendieser Erscheinungswelt mitgeteilt
werden, wären jene "Wahrheit". Nun ja, ein "Ich" kann man hirnforschend
von außen nicht finden, also gibt es kein Ich. Sagt irgendein Hirn.
In unserer Sprache. Als Botschaft innerhalb der Erscheinungswelt. Mmmh.
Thomas
Metzinger will, daß in den Schulen "Meditation" eingeführt
wird, als Hirn-Selbstwäsche (ohne "Selbst" natürlich, also würde
er korrigieren: als "Hirnwäsche"). Es ist ihm wichtig, daß nicht
etwa Religionslehrer und Philosophen hier ihre altbekannten Wege vermitteln,
sondern daß die Hirne der Sportlehrer die Hirne ihrer Schüler
damit kondizionieren bzw. trainieren. Recht hat er, denn Kondizion (von
lat. condicio, wieso soll man das mit t schreiben?) und Training gehören
ins Reich der systematischen geistlosen Fremdbestimmung, die wir "Sport"
nennen. Wenn die lieben Kollegen Sportlehrer schon Yoga
üben, warum dann nicht gleich Meditation? Denn, da hat er auch
wieder recht, Yoga ist
nur der Sanskrit-Name für die "Selbstbeherrschung"
(genauer sogar: Selbstunterjochung, verwandt mit dem deutschen Wort
Joch), die in Meditationen geübt wird. Wer
Yoga lehrt, lehrt Meditation (wenn es denn tatsächlich
Yoga ist...) Der Vorteil bei Sportlehrern liegt darin, daß
sie Meditation dann genauso kondizionieren und trainieren können,
wie sie das schon beim Yoga
zu tun pflegen.
Seit 35 Jahren meditiere
er (bzw. sein Gehirn) schon, sagte Thomas
Metzinger; das heißt also: etwa 1975 hat er begonnen. Das ist,
wie wir uns erinnern, die hohe Zeit der "Transzendentalen Meditation";
Bhagwan kam etwas später, und in der Hare-Krischna-Bewegung wird der
Mann nicht gewesen sein.
Das veranlaßt mich
dazu, einmal kurz darzulegen, was Meditation
denn ist und welche Rolle Mantren
in ihr spielen. In dem gleichen Aufsatz, den ich nun also geschrieben
habe, weiter unten, eine Liste
der Mantren, die zur Transzendentalen Meditation gemäß Marshi
Mahesh Yogi vergeben worden sind, als sich noch alle Welt bei ihm initiieren
ließ. Ich vermute, daß Thomas
Metzinger genau diese Meditationsform meint. Die Verwirrtheit der Tee-Emm-Berauschten
ist allerdings, wenn es um wissenschaftliche oder philosophische Argumentation
geht, von der Verwirrtheit der sogenannten Sanjassins im Gefolge Bhagwans
kaum zu unterscheiden. Vielleicht ist Thomas
Metzinger auch nur ein sogenannter Sanjassin. Ist ja auch egal, denn
auf ihn selbst, auf sein "Ich behaupte, vertrete, verantworte, erkenne,
lehre..." kommt es an, nicht auf irgendwelche Herkünfte. Wie Sokrates
im Menon
nicht Gorgias, den abwesenden, hören will, sondern das, was Menon,
der anwesende, denn selber denkt. Und da eben, in dem Getaumel und der
Selbstwidersprüchlichkeit des angeblichen Philosophen Thomas
Metzinger liegt der Hase im Pfeffer, liegt der Hund begraben.
grusz,
hansz
P.S.:
Die Unterlinkung des Namens Thomas
Metzinger in diesem Rundbrief führt zur hervorragenden Internetseite
Hanjo Heyers, die ich fand, als
ich Thomas Metzinger
googelte.
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